AKTUELL

GRATULATION: ERSTE MUSEUMSREGISTRIERUNG IN RHEINLAND-PFALZ

Unser hat als erstes Museum in Rheinland-Pfalz das Verfahren zur Museumsregistrierung Rheinland-Pfalz erfolgreich durchlaufen.
Staatssekretär Walter Schumacher vom Ministerium für Bildung Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur und die Vorsitzende des Museumsverbands Rheinland-Pfalz e. V., Dr. Elisabeth Dühr, haben am 02. September 2013 offiziell die Registrierurkunde und die dazugehörige Plakette verliehen.

„Museum" ist kein offiziell geschützter Begriff. So darf sich jede beliebige Einrichtung als Museum bezeichnen. Der Besucher kann also nie ganz sicher sein, was ihn tatsächlich erwartet. Den Museen ist dieses Problem bewusst. Der Internationale Museumsrat (ICOM) hat bereits 1986 einen Katalog ethischer Richtlinien erarbeitet und der Deutsche Museumsbund 2006 mit den Standards für Museen Richtschnüre für die Beurteilung der Qualität von Museen vorgelegt. Demnach sind die Kernaufgaben des Museums sammeln, bewahren, erforschen und vermitteln. Die Grundlagen eines „richtigen" Museums bilden also ein wissenschaftlich aufgearbeiteter Sammlungsbestand, eine konservatorisch einwandfreie Aufbewahrung der Objekte und eine aktive Bildungsarbeit.
Um auch nach außen erkennbar zu machen, dass ein Haus alle diese Kriterien erfüllt, hat der Museumsverband Rheinland-Pfalz ein Registrierungssystem ins Leben gerufen. Die Prüfung orientiert sich dabei an den Standards für Museen des Deutschen Museumsbunds. Die Registrierung beruht auf Freiwilligkeit und kann sowohl von einem hauptamtlich geführten als auch von einem ehrenamtlich geleiteten Museum beantragt werden. Dabei soll ermittelt werden, ob ein Museum entsprechend der Art, der Struktur und der Lage des Hauses angemessene Qualitätsstandards erfüllt.

DIE LEIHGABE AUS DEM FEUERBACHHAUS

Die Bilder "Poesie, 2. Fassung, 1863", "Bildnis einer Römerin, 1857" sowie die Zeichnung "Kopfstudie mit Weinlaub: Alkibiades, 1867/68" gehen als Leihgabe in das Museum Wiesbaden. Dort sind sie Teil der Ausstellung "Nanna. Elixier einer Leidenschaft", die sich mit Anna Risi, Modell und Muse von Anselm Feuerbach, auseinandersetzt. Gezeigt werden sollen sowohl die Gemälde Feuerbachs von Nanna als auch dazugehörige Studien und Grafiken. In die Ausstellung mit einfließen werden zusätzlich Gemälde und Studien von anderen Künstlern, u.a. Ferdinand Keller und Jean-Léon Gérome, die Nanna abbilden. Nanna ist die "Griechin" für Feuerbach und das Bild der schönen Trauer; sie ist "Iphigenie". Als sein Modell verewigt der Maler seine Muse in verschiedenen Rollen: mythologisch, religiös, literarisch. Vor allem war Nanna aber eines: die reinste Inkarnation seiner Malerei. Durch die Zusammenführung möglichst vieler Nanna-Bildnisse wird der Versuch unternommen, die Frau hinter diesen Darstellungen sichtbar werden zu lassen.
Die Leihgaben aus dem Feuerbachhaus sind wichtige Meilensteine, um sich dem Phänomen Nanna zu nähern: Das "Bildnis einer Römerin" von 1857 zeigt eine Vorgängerin, die bereits ein ähnliches Schönheitsideal verkörpert: südländisch und hoheitsvoll. Die "Poesie, 2. Fassung" von 1863 schließlich stellt Nanna so dar, wie Feuerbach sie am liebsten sah: menschlich überhöht, antikisiert, in klassischer Pose verewigt. Die "Kopfstudie mit Weinlaub" von 1867/68 entstand nach der Trennung von Nanna. Lucia Brunacci ist das neue Modell, das in Nannas Fußstapfen tritt.
Die Gemälde und die Zeichnung werden von September 2013 bis Februar 2014 als Leihgabe außer Haus sein.

bildnis einer alten frau ww Anselm Feuerbach
Porträt einer älteren Frau, Öl auf Leinwand
35 x 28 cm, 1864 · Foto: Klaus Landry
Neues Gemälde zum 40jährigen Jubiläum

Anlässlich seines 40jährigen Jubiläums erwarb der Verein mit Hilfe des Feuerbachexperten Dr. Jürgen Ecker das Bild "Porträt einer älteren Frau" für das Museum. Das Gemälde zeigt eine 50 bis 60 Jahre alte Frau im dreiviertel Profil nach links gewandt. Vor grünem Hintergrund setzt sich die hellbeleuchtete Gesichtspartie ab, die Lippen erscheinen geschlossen, die Frau trägt ein dunkelgru?nes, ärmelloses Kleid und ein Kopftuch in gebrochenem Weiß. Eine kunstvolle Schattenmodulierung kann beobachtet werden - zweifellos ein echter Anselm Feuerbach. Das Monogramm von Anselm Feuerbach wurde nachträglich auf den Firnis gekratzt.

Offensichtlich ist das Bild 1864 entstanden, wie ein Zusatz zur Signatur im Bild verrät. Während dieser Zeit hielt sich Anselm Feuerbach ganzjährig in Rom auf. Er porträtierte die Italienerin in einfacher ländlicher Kleidung. Schon früher, besonders häufig aber in den sechziger Jahren in Rom, entstanden zahlreiche Bildnisstudien. Diese sind nicht unbedingt als Auftragsarbeiten oder persönliche Porträts anzusehen, sondern als Ergänzung einer künstlerischen Motivsammlung. Wer die Dargestellt ist, muss deshalb auch hier offen bleiben. In der neuen Hängung des Feuerbachhauses ist ein direkter Vergleich mit anderen Bildnisstudien Feuerbachs möglich: Die als "Poesie" vergöttlichte Nanna zeichnet sich durch unnahbare Strenge aus, während die zarte Auftragsarbeit einer dunkelhaarigen Schönheit durch Weichheit und Lebendigkeit in der Darstellung besticht. Das "Porträt einer älteren Dame" nimmt eine Zwischenstellung ein: ungeschönt offenbart das Gesicht die Details des Alters, während Kopftuch, Gewand und Hintergrund einen unfertigen Eindruck erwecken.
Das Bildnis stammt aus Privatbesitz in Bayern. Zu den vorherigen Besitzern gehörte die Cousine Anselm Feuerbachs. Ein Begleitschreiben aus ihrer Hand ist dem Bildnis beigefügt, worin es heißt: "Hiermit bestätige ich, dass das Bild 'Alte Frau', Größe 35 x 28 cm aus meinem Besitze, und ein Original meines Vetters Anselm Feuerbach ist. Bad Aibling 19. Febr. 1913 / Eleonore Feuerbach"

 
Dauerausstellung

Die Ausstellung im Obergeschoss des Feuerbachhauses zeigt Leben und Werk des Künstlers Anselm Feuerbach. Originale Gemälde und Zeichnungen vermitteln den Besuchern die Kunst des berühmten Malers. Die meisten Arbeiten stammen aus der Studienzeit Feuerbachs. Der Schwerpunkt liegt auf der Porträtmalerei. Die Ausstellung beinhaltet sowohl individuelle Porträts, die Feuerbach als Auftragsarbeiten durchführte; als auch ideale Bildnisse von zeitlosen Römerinnen, die dem Schönheitsideal des Malers entsprechen. Einmalig ist die Sammlung von jugendlichen Selbstporträts, die den jungen Künstler am Anfang seiner Karriere darstellen.

Bestand der Sammlung im Feuerbachhaus:
Jakob Wilhelm Roux, Amalie Feuerbach auf dem Totenbett, 1830
Anselm Feuerbach, Skizzenbuch, 1843
Anselm Feuerbach, Selbstbildnis mit Hut, 1846
Anselm Feuerbach, Selbstbildnis mit Turm im Abendrot, 1846
Anselm Feuerbach, Selbstbildnis als südländischer Fischerknabe, 1846
Anselm Feuerbach, Bildnis der Großmutter, 1848
Anselm Feuerbach, Mythologische Szene, 1846
Anselm Feuerbach, Allegorie (Transfiguration aus politischen Gedanken eines Unpolitischen), 1848
Anselm Feuerbach, Alter Mann, schreibend, um 1848/50
Anselm Feuerbach, Begräbnisszene, 50er Jahre
Emilie Feuerbach, Blumenbilder, 40er Jahre
Max Wolf, Medizinalrat Franz Wolf, um 1850
Anselm Feuerbach, Silen mit Dionysosknaben, um 1847
Anselm Feuerbach, Huldigung der Edelleute an Maria de' Medici, 1851
Anselm Feuerbach, Grablegung Christi, 1851
Anselm Feuerbach, Die Kirchenräuber, 1851
Anselm Feuerbach, Selbstbildnis mit roter Toga, 1852
Anselm Feuerbach, Frau mit Tamburin, 1854
Anselm Feuerbach, Junge Musikanten am Brunnen, um 1855/60
Anselm Feuerbach, Zwei Nymphen am See, um 1856
Anselm Feuerbach, Bildnis eines bärtigen Mannes, 1857
Anselm Feuerbach, Italienerin mit Knaben im Weinberg, um 1857
Anselm Feuerbach, Italienische Renaissance-Szene, um 1857/58
Anselm Feuerbach, Bildnis einer Römerin, 1857
Anselm Feuerbach, Römisches Bacchanal, 1859
Anselm Feuerbach, Bildnis einer Römerin, 1860
Anselm Feuerbach, Poesie, 2. Fassung, 1863
Anselm Feuerbach, Skizzenbuch, 1868
Anselm Feuerbach, Kopf des Alkibiades, um 1867/68
Unbekannt, Bildnis Julius Allgeyer, um 1857
Anselm Feuerbach, zwei Skizzen zum Titanensturz, 1874
Totenmaske, 1880

Schriftstücke aus dem Umfeld Anselm Feuerbachs