Die Kunst Anselm Feuerbachs

„Ich bin zu Großem berufen, das weiß ich wohl. Zur Ruhe werde ich erst im Tode kommen. Leiden werde ich immer haben, aber meine Werke werden ewig leben."

Zu Lebzeiten fühlte sich Anselm Feuerbach unverstanden und verkannt. Seine Bilder zeigen das menschlich Große, Schöne und Edle; doch die Zeitgenossen forderten Dramatik und Leidenschaft. Beliebt waren großformatige Historienbilder mit leuchtenden Farben, großartiger Ausschmückung und vielgestaltigem Geschehen. Die Ermordung Caesars, die Entdeckung Amerikas oder herrschaftliche Triumphzüge stillten die Schaulust der Betrachter. Die Bilder Feuerbachs erscheinen dagegen dunkel und unspektakulär: Im „Gastmahl des Plato" philosophieren alte Herren über das Schöne; seine „Medea" sitzt traurig und untätig im Strand, anstatt im Wahn ihre Kinder zu zerreißen. Feuerbach stellt das dramatische Fühlen mehr in den Vordergrund als das dramatische Handeln. So will er seinen Bildern Seele und Poesie einhauchen und das antike menschliche Ideal verbildlichen. Mit berührender Nähe zeigen seine Porträts die künstlerischen Fähigkeiten des Malers. Doch zählt Feuerbach die Porträtmalerei, die gut bezahlt wird, nicht zur angestrebten großen Kunst. Seinen persönlichen Stil findet er in Italien sowie in seinem Modell Anna Risi, die ihm direkt aus der Antike zu kommen scheint.