Anselm Feuerbach

„Alle Leute fragen mich: ‚Sind sie verwandt mit dem Archäologen Feuerbach?' – ‚Das ist mein Vater, der Philosoph mein Onkel, der Staatsmann mein Großvater.' Nun sagt man: ‚Wenn aus ihnen nichts wird, da muss man an der Welt verzweifeln.'"

Aus berühmter Familie stammend, beschließt Anselm Feuerbach Künstler zu werden. Mit Unterstützung seiner Eltern bricht der 15-Jährige das Gymnasium ab und geht an die Düsseldorfer Kunstakademie, um dort das Malen zu lernen. Sein Ehrgeiz und seine Begabung befähigen ihn bald, gelungene Selbstporträts zu fertigen. Mit 18 Jahren verlässt der junge Künstler Düsseldorf; lieber schult er sich autodidaktisch in München, Antwerpen und Paris an den „Alten Meistern". Mithilfe eines Stipendiums vom badischen Großherzog reist Feuerbach nach Italien, wo er 17 Jahre seines Lebens verbringen wird. Er freundet sich mit anderen deutschen Künstlern an, findet wohlhabende Förderer und ein Modell, das sein Schönheitsideal verkörpert. Das Glück währt nicht lange. Finanzielle Engpässe, Streit mit den Auftraggebern und die Trennung von „Nanna" stürzen Feuerbach in die Krise. Ein lang ersehnter Ruf an die Wiener Kunstakademie kann den vom Leben enttäuschten Künstler nicht aufmuntern. Er beendet seine Lehrtätigkeit und zieht sich nach Venedig zurück, wo er mit 51 Jahren stirbt. Der Arzt gibt als Todesursache „Herzversagen" an; seine Stiefmutter verbreitet, dass Anselm an „gebrochenem Herzen" gestorben sei, weil seine Zeitgenossen seine Kunst nicht gebührend würdigten. Noch im Todesjahr organisiert sie eine große Gedächtnisausstellung in Berlin, zwei Jahre später gibt sie die überarbeiteten Lebenserinnerungen Anselm Feuerbachs heraus und begründet so seinen späten Ruhm.

 

Anselm Feuerbach, Selbstbildnis, 1873 

Biografie

  • 12. September 1829 Geburt im Feuerbachhaus Speyer
  • April 1845 Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie
  • Juni 1848 Studienaufenthalt in München
  • Oktober 1850 Antwerpen
  • Juli 1851 Paris
  • Dezember 1852 im Atelier von Thomas Couture
  • Mai 1854 Flucht aus Paris und Ankunft in Karlsruhe
  • Mai 1855 Venedig
  • Oktober 1856 Ankunft in Rom
  • 1860 Bekanntschaft mit Anna Risi
  • 1862 Begegnung mit Adolf Friedrich Graf von Schack. Erste Bestellungen
  • Erste Fassung der „Iphigenie"
  • 1865 Trennung von Nanna
  • 1869 Vollendung des „Gastmahl des Plato"
  • August 1872 Professur in Wien
  • 1873 Vollendung der „Amazonenschlacht"
  • 1876 Feuerbach schreibt sein „Vermächtnis"
  • 1876 Rückzug aus Wien
  • 4. Januar 1880 Tod in Venedig
  • April 1880 Große Gedächtnisausstellung in Berlin
  • 1882 Henriette Feuerbach gibt das überarbeitete „Vermächtnis" heraus